uScent
Master Projekt

Infografik und Visualisierung der Funktionsweise von uScent.

In Deutschland leiden ca. vier Millionen Menschen unter Depressionen. Eine der Hauptursachen ist der andauernde Stress, dem man auch über den normalen Berufsalltag hinaus ausgesetzt ist. E-Mails und Anrufe nach Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub sind längst die Regel. Auch unser Privatleben wird zunehmend mit Aufgaben und Informationen vollgepackt. Das Ergebnis sind Überforderung und Erschöpfung bis hin zu seelischen und körperlichen Erkrankungen.

Das Problem ist aber nicht die Datenmenge selbst, sondern das Versagen von Filtern. In unserem natürlichen Umfeld hören und sehen wir Dinge selektiv und vergessen schnell, was wir nicht mehr benötigen. Das Filtern erfolgt automatisch, wie ein natürlicher Prozess. Daten und elektronische Informationen dagegen verschwinden nicht von allein, sondern häufen sich an, und es kommen immer neue nach. Man bräuchte eigentlich eine Art Membran, die uns vor dem ungehinderten Eindringen der elektronischen Außenwelt schützt und nur das für uns Wichtige und Nützliche durchlässt.

Eine solche Membran müsste zwei Funktionen erfüllen. Zum einen sollte sie alle eingehenden Informationen, Nachrichten, Anrufe etc. nach ihrer Wichtigkeit selektieren, filtern und gegebenenfalls zurückhalten. Zum anderen sollte sie die freigegebenen Informationen so übermitteln, dass sie mit der Situation des Nutzers nicht direkt interferieren, also sein Leben und seine Tätigkeit im realen Raum nicht immer wieder rüde unterbrechen. Aber wie löst man den Konflikt zwischen der Bereitschaft zur Aufnahme wichtiger Informationen und dem gleichzeitigen Bedürfnis, sich von Informationen aus dem elektronischen Raum abzuschirmen? Genau hierfür versucht uScent, einen Lösungsansatz zu entwickeln.

Das System basiert auf Duftsignalen. Düfte wirken im Vergleich zu anderen Signalen zwar unmittelbarer, aber auch unbewusster. Die mit ihnen verbundenen Wahrnehmungen laufen parallel zu anderen kognitiven Vorgängen, ohne diese zu stören. Die Schwelle, ab der ein gegebener Duft bewusst wahrgenommen wird, steigt dabei in Relation zum jeweiligen Konzentrationsfokus. Damit bilden Düfte ein ideales Medium für eine entschleunigte, sich zurücknehmende Informationsübermittlung.

uScent operiert als unauffälliges Hardware-Modul zwischen einem algorithmischen Informationsfilter, z.B. einer auf dem Smartphone installierten Software, und dem jeweiligen Nutzer. Seine Form greift aus dem Alltag vertraute Vorbilder auf und vereinigt alle technischen Funktionen auf kleinem Raum. In seinem Inneren befinden sich eine wechselbaren Duftkartusche und eine kleine Duftkanone, die dosierbare Duftstöße bis zu 50 Zentimeter an ihr Ziel bringen kann. Das Modul wird über Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt. Mit einem einfachen Drehmechanismus lässt es sich außerdem zwischen ausgeschaltetem Zustand, Filtermodus mit aktivierter Filtersoftware und ungefiltertem Modus, bei dem alle eingehenden Nachrichten unselektiert ausgegeben werden, umschalten. Die wechselbaren Duftkartuschen mit bis zu sechs Düften erlauben dem Benutzer eine konfigurierbare Zuordnung.

Die Software selektiert zwischen wichtigen und unwichtigen Nachrichten. Dies erfolgt durch ein Bewertungssystem, dass ankommende Mitteilungen oder Anrufe in ihrer Relevanz bewertet, clustert und terminiert. Danach kann das System entscheiden, Informationen gegebenenfalls auch zeitverzögert weiterzugeben.

Mit uScent als zwischengeschaltetem Filter wird eine Möglichkeit geschaffen, Informationen zu erhalten, ohne von ihnen abgelenkt und beherrscht zu werden. Wir bleiben weiter mit der digitalen Informationswelt verbunden, haben aber trotzdem einen stressfreien Raum für uns, der uns wie eine Zeitblase umhüllt und die rasende Telekommunikations-Gesellschaft auf Abstand hält.